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Auff den Nahmenstag Ihrer Vielgeehrten Freundin B. G.


Du Licht der gantzen Welt / Ey Sonne sey gebeten /

Ein wenig still zu stehn / undt nicht so schnell zu treten

Des hohen Himmels Bahn! Ihr Stunden eilt so nicht!

Ey Luna schlaff doch lang / undt laß uns Phebus Licht!

Der Tagk sey noch so lang! Ihr güldnen Himmels Noten /

Ihr Sternen / die ihr seit der schwartzen Nacht Vorbotten /

Brecht nicht so balt herfür / last meiner Leyer Zeit /

Das sie besingen mag / was man besinget heut!

Ey / ey / was wil ich thun? Diana wil schon wachen /

Apollo will den Kreiß der Erden Taglooß machen /

Und eilt zur ruh ins Mähr; drüm / Freundin / nemt doch an

Was in der Eilenflucht ich itzt erdencken kan.

Was liegt mir im Gehirn / das ich so gar vergessen

Mein heutiges Gebüer? Ich kan es kaum ermessen /

Was mich verhindert hat; Ihr Geister kompt zu hauß /

Hier felt was nötigs für / komt / komt / und fliegt nicht auß!

Ey Clio hastu noch den Bandt nicht voll gewunden /

Da meine Freundin mit soll werden angebunden?

Gib her / es ist zwar schlecht / doch die ihn haben soll /

Gibt nicht auff stoltzen Pral / undt ist der Demuth voll.

Ey Feder bistu stumpf / undt ist die Dint zu dicke!

Verstöre mich doch nicht / damit ich mich noch schicke

In die so schnelle Zeit! Jung geh / steck an das Licht /

Undt bring mein Pittschaft her / das dient vor frembt gesicht.

Lauf fort / das ist der Briff / wündsch ihr viel guts darneben /

Und das sie diesen Tag mag tausendt mahl erleben /

In Fried und Fröligkeit / geh / geh / undt seum dich nicht /

Schau / wie der Abendstern schon durch die Wolcken bricht.



(* 14.02.1621, † 31.07.1638)




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