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An Mignon


Über Tal und Fluß getragen

Ziehet rein der Sonne Wagen.

Ach, sie regt in ihrem Lauf,

So wie deine, meine Schmerzen

Tief im Herzen,

Immer morgens wieder auf.

 

Kaum will mir die Nacht noch frommen;

Denn die Träume selber kommen

Nun in trauriger Gestalt.

Und ich fühle dieser Schmerzen,

Still im Herzen,

Heimlich bildende Gewalt.

 

Schon seit manchen schönen Jahren

Seh′ ich unten Schiffe fahren;

Jedes kommt an seinen Ort.

Aber ach, die steten Schmerzen,

Fest im Herzen,

Schwimmen nicht im Strome fort.

 

Schön in Kleidern muß ich kommen;

Aus dem Schrank sind sie genommen,

Weil es heute Festtag ist;

Niemand ahnet, daß von Schmerzen

Herz im Herzen

Grimmig mir zerrissen ist.

 

Heimlich muß ich immer weinen,

Aber freundlich kann ich scheinen

Und sogar gesund und rot;

Wären tödlich diese Schmerzen

Meinem Herzen,

Ach, schon lange wär ich tot.



(* 28.08.1749, † 22.03.1832)




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