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Hinter der Ausstellung für angewandte Kunst


Hier zwischen den Bäumen in Dämmernacht

Hab′ ich das Fest erst mitgemacht!

Da stellt unterm Dach tiefleuchtenden Blau′s

Der junge Münchener Sommer aus:

Geniale Blatter, famoses Gras

Aus lauter Smaragd und Chrysopras,

So wunderreich, und so schlicht doch nur,

Chefs d′oeuvre der angewandten Natur!

 

Und wie ich so schaue und wandre allein,

Kommt mir entgegen im grünen Schein

Ein schönes Kind, das just wie ich

Dem Trubel da drüben einsam entwich.

So sicher schritt der blonde Schatz,

Ließ baumeln den Strohhut an ihrem Arme,

Als käme sie gar nicht aus dem Schwarme,

Als wär′ sie daheim an diesem Platz.

 

Und als ich die Kleine näher sah,

Mit einem Male bemerkt′ ich da

Zu meinem Erstaunen und fast erschreckt,

Daß sie selber hier ein Ausstellungsobjekt:

Daß ihrer Glieder schlanke Blüte,

Die Augen, darinnen die Sehnsucht glühte,

Die brennenden Wangen, die schwellende Brust

Ein Opus der Münchener Sommerlust!

Wir blieben stehen, statt auszuweichen -

Es war, als dächte sie selbst dergleichen:

Als hätte auch sie in mir entdeckt

Ein interessantes Ausstellungsobjekt!

 

Und beide benahmen wir erst uns recht dumm -

Von Haus aus sind die Objekte ja stumm -

Doch sprachen wir endlich, wenn ich nicht irre,

Vom lachenden Himmel und Laubgewirre,

Vom Vogelsang, den man vernimmt ganz sacht,

Wenn die Blechmusik eine Pause macht,

Und von mehr noch - alles behielt ich nicht,

Denn ich sah ihr dabei in das süße Gesicht.

Und schließlich, hinter den Zweigen versteckt,

Küßt′ ich von Herzen mein Schwesterobjekt!

Das schien uns selbstverständlich nur

Im Sinne der angewandten Natur.



(* 04.12.1866, † 29.03.1928)




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