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Der Reiche


Ein Monolog Gottes

 

Ihr wollt mich lästern,

Ja lächerlich leugnen,

Gehirnmikroben

Auf euer'm wirbelnden Sandkorn,

Weil das alternd

Unter euch einbrach

Und hunderttausend

Von euch begrub?

Als hielte mich Anstand und Pflicht,

Nach eurer Art

Sorglich zu sparen

Mit dem, was mein ist!

Ihr Bettlerseelen!

Wisset ihr denn, wie reich ich bin?

Wär't ihr geworden,

Ihr Traurigen alle,

Wär' ich so arm,

So knickerig ängstlich,

So wählend und zählend

vWie euresgleichen?

Doch ich bin reich -

Darum wurdet auch ihr!

 

So groß ist mein Reichtum,

Daß ich nicht weiß,

Wie reich ich bin.

Wissen wollt' ich's!

Und warf, was mein ist,

Rings in den Raum -

Ball über Ball hinaus,

Billionen funkelnder Riesenjuwelen,

Sonnenring an Sonnenring,

Weltenrad um Weltenrad!

Doch keine Grenzen im Raum

Fand meine Habe.

 

Wissen wollt' ich, wie reich ich bin -

Und ich ließ nicht bestehen

All', was da rings in Unendlichkeit

Glühte und blitzte und rollte und kreiste!

Aber aus steter Vernichtung

Band es sich neu

In rettender Kraft

Und hob sich verjüngt

In neuer Form

Und regte sich weiter,

Und stirbt und ersteht

In Ewigkeit!

 

Meint denn ihr Einzelnen, Armen,

Es reue mich,

Daß ich euch enden lasse,

Wie ich euch schuf?

Soll ich nicht sehen und fühlen,

Wie reich ich bin?

Euch verschwenden will ich,

Euch verschwenden kann ich,

Keime und Blüten und Früchte,

Monde und Erden,

Sonnen und Welten,

Leiden und Freuden

Darf ich vergeuden -

Denn ich bin reich!



(* 04.12.1866, † 29.03.1928)




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