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An das Feuer


Dich vor allen

Deinen Geschwistern

Hab' ich von jeher geliebt,

Feuer, du hohe,

Herrliche Flamme!

Träg und schwer

Lagert die Erde,

Traurig verträumt

Wandert das Wasser

Hin und her

In ziellos kreisender Wiederkehr,

Wirr und leer

Schweift über Wasser und Erde

Die Gauklerin Luft -

Du aber, Flamme,

Starkmütig stolze

Tochter der Sonne,

Himmelan reckst du dich auf,

Hochreißend das Träge

Zu läuterndem Brand,

Das Traurige lösend

In schwebende Schleier,

Das Schweifende bannend,

Bis es dir dient,

In zitternder Demut

Die dürstenden Lippen dir letzt!

 

Wenn mich Knaben

Hinauf in Gipfeleinsamkeiten

Der Vater geführt,

Wenn uns bei sinkender Nacht

Endlich am Felshang

Die Hütte barg:

Da grüßtest du

An offener Herdstatt

Heidnisch hell

Und heldenhaft

Die junge Seele -

Da saß ich, und schaute

Dein leuchtendes Bild,

Da mahntest du mich,

Zu sein wie du,

Aus Erdendunkel

Und Einsamkeiten

In siegender Kraft

Empor zu lohen,

Leicht und freudig

Und heiß und herzlich,

Empor zur fernen

Heimat der Feuer!

 

Und wenn ich dann später,

Zerquälter Mann,

Nach Hause gekehrt

In der rastlosen Stadt

Aus kraftmißbrauchender Tagesfron,

Wenn Knechtschaft des Geistes mich würgte

Und Hunger der Seele

Und Ohnmacht wider den Riesenwall

Der Dummheit und Stumpfheit und Niedertracht -

Wenn all mein Ich

Sich wandeln gewollt

In Hohn und Haß und verachtenden Ekel..

Da sah ich dich wieder

Lodern als Nachtgenoß,

Treueste Flamme!

Da schaut' ich in dich,

Ward wieder ich selber,

Ward wieder wie du,

Und reckte mich auf

Und flammte befreit

Und geheiligt, weiß Gott, bis ins Mark

Himmelan!

 

Dich vor allen

Deinen Geschwistern

Lieb' ich, und werde dich lieben

Bis an mein Ende!

Kann ich dich nimmer empfinden,

Sank ich in müdes

Verglühn zusammen:

Einmal noch gönne mir dann mein Schicksal,

Zu sein, der ich war,

Zu sein wie du,

Aufzuflammen noch einmal im Hochgefühl

Des Wollens, des Könnens -

Und dann zu erlöschen

Schnell und stolz

Wie du, wenn ein Sturmstoß

Gewaltig ins Nichts dich zerschlägt!



(* 04.12.1866, † 29.03.1928)




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