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An einen Freund


Du nimmst als Strebenden

den kranken Mann,

siehst als noch Lebenden

den Toten an.

O rufe nicht zur Wehr,

mich nicht zum Tun;

mir ziemt kein Kämpfen mehr,

mir ziemt nur Ruhn.

 

Lieg ich im Bette hier

wie in der Gruft,

steigt der Gedanke mir

hoch in die Luft;

ich überschau als Schwan

mit Vogelblick

des Lebens wirre Bahn

und mein Geschick.

 

Nicht war, was ich geschafft,

allwege gut.

Ach, bald gebrach′s an Kraft

und bald an Mut.

Hier von des Glückes Huld

ward ich begrüßt;

dort hab′ ich eigne Schuld

wie schwer gebüßt.

 

Das, halb im Traume, geht

an mir vorbei,

mein Leben ist verweht,

und ich bin frei.

Was blieb dir, Seele, nun,

als daß mit Ernst

du in dir selber ruhn,

du sterben lernst?



(* 27.01.1808, † 08.02.1874)




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