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Der Liebhaberhut


In einer weltbekannten Stadt,

Die rare Kaufmannswaaren

Und wunderschöne Weiber hat,

Kam schnell ein Mann gefahren,

Eh sich′s sein Weibchen vorgestellt,

Und voller Furcht und Schrecken

Entwich ihr junger Liebesheld;

Ach aber zum Entdecken

Der Heimlichkeit gab′s viel Gefahr,

Weil er, zu sehr getrieben,

Rasch aus dem Fenster sprang, so war

Sein Hut noch da geblieben,

Lag auf dem Tischchen unverhüllt,

Viel Argwohn zu erregen,

Doch sie, mit Weiberlist erfüllt,

Springt schlau dem Mann entgegen,

Und ruft: Willkommen, süßer Mann!

Du sollst den Hut probieren,

Ein Trödelweib bot mir ihn an:

Er ist mit goldnen Schnüren

Reich eingefaßt und noch ganz neu,

Und ward aus Noth vergeudet. -

Dem Mann gefällt die Schmeichelei,

Er küßt das Weib und leidet

Daß sie an sein Tuppe den Hut

Im Puderhaare drücket,

Ruft selber aus: er laßt mir gut!

Und dankt ihr halb entzücket,

Indem sein Aug im Spiegel gafft,

Den Zierrath seines Kopfes,

Den sie ihm heimlich angeschafft. -

Sie lacht des armen Tropfes

Sehr oft auf ihres Lieblings Schooß,

Und spricht mit losem Muthe:

Mein Schatz! wir kamen wohlfeil los

Mit dem vergeßnen Hute.



(* 01.12.1722, † 12.10.1791)




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