Jüngling, wenn ich dich von fern erblicke,

Wird vor Sehnsucht mir das Auge nass:

Nahst du dich, so hält es mich zurücke

Wie mit Fesseln – und ich weiss nicht, Was?

 

Fern von dir hab' ich so viel zu klagen,

Und dir gegenüber sitz' ich stumm,

Kann dir nicht ein Sterbens-Wörtchen sagen,

Stammle nur, - und weiss doch nicht, Warum?

 

Stundenlang häng' ich an deinem Blicke:

Aber wenn der deinige mich so

Ueberrascht, fährt meiner scheu zurücke,

Will sich bergen, - ach! und weiss nicht, Wo?

 

Seh' ich dich mit andern Mädchen spassen;

O, dann möcht' ich arme Schwärmerinn

Meine Vaterstadt, mein Land verlassen,

Möchte fliehn, - und weiss doch nicht, Wohin?

 

Einsam lass' ich, statt mich zu zerstreuen,

Meinen Thränen ungestörten Lauf,

Wiege mich in süssen Träumereyen,

Freue mich, - und weiss doch nicht, Worauf?

 

Denke mir das höchste Glück auf Erden,

Das ein Mädchen sich nur wünschen kann,

Hoffe, dass sie einmal kommen werden

Diese Freuden, - ach, und weiss nicht, Wann?

 

Denke von zwey gleich gestimmten Seelen

Mir die schönste, reinste Harmonie,

Möchte dich aus einer Welt erwählen,

Theurer Jüngling! – ach, und weiss nicht, Wie?


Das Gedicht "Das liebende Mädchen" stammt von   (1768 - 1839).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

 

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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