Nach Freiheit strebt das Weib, der Mann nach Regel.

Gebieten mag die Laune, spricht das Weib;

Gesetz und Rhythmus herrsche, spricht der Mann.

So kann es kommen, daß er Sklaven zieht,

Und kann auch kommen, daß er Sklave wird,

Vielleicht auch Beides: herrisch und servil,

Im Kleinen selbst nicht läßlich, ein Pedant.

Drum ist ihm die Genossin beigegeben,

Daß seines Lebens hartem Winkelmaß

Das Spiel der freien Linie nicht fehle.

Drum ist ihr der Genosse beigegeben,

Damit der Ranke nicht der Stab gebreche.

 

Ein großer Dichter sagt das Gegentheil;

Doch fällt mir da aus meinem Hegel ein,

Wie hübsch er sagt: anstatt Entweder Oder

Sei in den Fragen, welche tiefer liegen,

Ein Sowohl Alsauch meistentheils zu setzen.

Zwei Sätze, die als Widerspruch erscheinen –

Wer tiefer denkt, kann schließlich sie vereinen.


Das Gedicht "Mann und Weib" stammt von   (1807 - 1887).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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