Ich scheide, sprach der Knabe,

Doch sei dir, liebe Maid,

Herzinnige Treu geschworen

In alle Ewigkeit.

 

Nun er in fernen Landen

Um blut'gen Lorbeer wirbt,

Dem ungetreuen Manne

Die Lieb' im Herzen stirbt.

 

Doch immer, immer naget

In seiner Brust der Wurm,

Er hört die süße Stimme

Durch Schlachtengraus und Sturm.

 

Er sieht das klare Auge,

Er schlafet oder wacht,

Aufleuchtend, aufgeblättert

In grabesschwarzer Nacht.

 

Was frommt nur alle Reue?

Ruft er in wildem Zorn,

Es ist ja doch im Herzen

Versiegt der Liebe Born,

 

Das ausgebrannte Feuer,

Kein Wille bringt's zurück,

So muß ich denn zertreten

All ihres Lebens Glück!

 

Ermorden und zertreten –

Du unglückselig Weib!

Doch eh' die Seel' ich morde,

Mord' ich den zarten Leib.

 

Er lenkt, wie sonst, die Tritte

Nach seines Liebchens Haus,

Sie streckt, wie sonst, die Arme

Nach dem Geliebten aus.

 

Liebst du mich denn noch immer

Im tiefsten Herzensgrund?

So ruft sie. Stumm und stille

Küßt er den süßen Mund.

 

Die Linke hat umschlungen

Einst seines Lebens Lust,

Die Rechte zuckt am Messer,

Durchbohrt die treue Brust.

 

Kind, es geschieht aus Liebe,

Der bleiche Mörder spricht.

Ich glaub' es, spricht sie leise,

Das treue Auge bricht.


Das Gedicht "Glaube" stammt von   (1807 - 1887).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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