Dich möcht' ich kennen, stolzer Göttersohn,

Der du zuerst im ungeheuern Schmerz

Dem ew'gen Fluch, der blassen Furcht zum Hohn,

Den Stahl gezücket auf das eigne Herz,

 

Der du zuerst geboren und erfaßt

Den Wuthgedanken, den kein Mensch noch trug,

Von dir zu schleudern dieses Lebens Last,

Den Blitz, der noch in keine Seele schlug,

 

Den grellen Schrei, der durch die Himmel schallt,

Den Bruch mit Allem, was das Herz erfreut,

Den Sturz, den jede lebende Gewalt,

Den Erd' und Höll' und Himmel uns verbeut.

 

Vor meinem Auge richtet sich empor,

Die Blicke rollen göttlich stolz und wild,

Umflattert rings von grauser Larven Chor,

Dein aufgerecktes, geisterbleiches Bild.

 

Zum Himmel blickst du und dein Auge sagt:

Du Sonne dort, meinst du, ich liebe dich?

Zur Erde blickst du und die Stirne klagt:

Du Thörin, du, warum gebarst du mich?

 

Sie aber trägt den harten Vorwurf nicht

Und sendet leis, wie durch des Traumes Thor,

Umflossen weich von rosenfarbnem Licht,

Bekannte Bilder, Hand in Hand, hervor.

 

Der Kindheit Unschuld und der Freundschaft Glück,

Der ersten Liebe süßes Herzeleid,

Die Hoffnung mit dem weiten, großen Blick,

Des Glaubens Kraft und stille Seligkeit.

 

Sie schauen ihn mit blauen Augen an,

Sie schütteln trüb das blonde Lockenhaupt,

Als fragten sie: welch unglücksel'ger Wahn

Hat unsrem Reich den lieben Freund geraubt?

 

Wehmüthig lächelt er – zum letzten Mal,

Der alte Zorn, ein stolzer Löw', erwacht,

Die Waffe blitzt, es zischt ein rother Strahl,

Er stürzt zusammen in die ew'ge Nacht.


Das Gedicht "Der Erste" stammt von   (1807 - 1887).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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