Im Norden zu singen.

 

Auf der Berge freien Höhen,

In der Mittagssonne Schein,

An des warmen Strahles Kräften

Zeugt Natur den goldnen Wein.

 

Und noch Niemand hat′s erkundet,

Wie die große Mutter schafft;

Unergründlich ist das Wirken,

Unerforschlich ist die Kraft.

 

Funkelnd wie ein Sohn der Sonne,

Wie des Lichtes Feuerquell,

Springt er perlend aus der Tonne,

Purpurn und kristallenhell.

 

Und erfreuet alle Sinnen,

Und in jede bange Brust

Gießt er ein balsamisch Hoffen

Und des Lebens neue Lust.

 

Aber matt auf unsre Zonen

Fällt der Sonne schräges Licht,

Nur die Blätter kann sie färben,

Aber Früchte reift sie nicht.

 

Doch der Norden auch will leben,

Und was lebt, will sich erfreun;

Darum schaffen wir erfindend

Ohne Weinstock uns den Wein.

 

Bleich nur ist′s, was wir bereiten

Auf dem häuslichen Altar;

Was Natur lebendig bildet,

Glänzend ist′s und ewig klar.

 

Aber freudig aus der Schale

Schöpfen wir die trübe Flut;

Auch die Kunst ist Himmelsgabe,

Borgt sie gleich von ird′scher Glut.

 

Ihrem Winken freigegeben

Ist der Kräfte großes Reich;

Neues bildend aus dem Alten,

Stellt sie sich dem Schöpfer gleich.

 

Selbst das Band der Elemente

Trennt ihr herrschendes Gebot,

Und sie ahmt mit ird′schen Flammen

Nach dem hohen Sonnengott.

 

Fernhin zu den sel′gen Inseln

Richtet sie der Schiffe Lauf,

Und des Südens goldne Früchte

Schüttet sie im Norden auf.

 

Drum ein Sinnbild und ein Zeichen

Sei uns dieser Feuersaft,

Was der Mensch sich kann erlangen

Mit dem Willen und der Kraft.


Das Gedicht "Punschlied (2)" stammt von   (1759 - 1805).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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