Frisch atmet des Morgens lebendiger Hauch,

Purpurisch zuckt durch düstrer Tannen Ritzen

Das junge Licht und äugelt aus dem Strauch;

In goldnen Flammen blitzen

Der Berge Wolkenspitzen.

Mit freudig melodisch gewirbeltem Lied

Begrüßen erwachende Lerchen die Sonne,

Die Schon in lachender Wonne

Jugendlich schön in Aurora′s Umarmungen glüht.

 

Sei, Licht, mir gesegnet!

Dein Strahlenguss regnet

Erwärmend hernieder auf Anger und Au.

Wie silberfarb flittern

Die Wiesen, wie zittern

Tausend Sonnen in perlendem Tau!

 

In säuselnder Kühle

Beginnen die Spiele

Der jungen Natur.

Die Zephyre kosen

Und schmeicheln um Rosen,

Und Düfte beströmen die lachende Flur.

 

Wie hoch aus den Städten die Rauchwolken dampfen!

Laut wiehern und schnauben und knirschen und strampfen

Die Rosse, die Farren;

Die Wagen erknarren

Ins ächzende Tal.

Die Waldungen leben,

Und Adler und Falken und Habichte schweben,

Und wiegen die Flügel im blendenden Strahl.

 

Den Frieden zu finden,

Wohin soll ich wenden

Am elenden Stab?

Die lachende Erde

Mit Jünglingsgebärde

Für mich nur ein Grab!

 

Steig′ empor, o Morgenrot, und röte

Mit purpurnem Kusse Hain und Feld!

Säus′le nieder, Abendrot, und flöte

Sanft in Schlummer die erstorbne Welt!

Morgen - ach! Du rötest

Eine Totenflur,

Ach! Und Du, o Abendrot! Umflötest

Meinen langen Schlummer nur.


Das Gedicht "Der Flüchtling" stammt von   (1759 - 1805).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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