Willst du nicht das Lämmlein hüten?

Lämmlein ist so fromm und sanft,

Nährt sich von des Grafes Blüten,

Spielend an des Baches Ranft.

"Mutter, Mutter, lass mich gehen,

Jagen nach des Berges Höhen!"

 

Willst du nicht die Herde locken

Mit des Hornes munterm Klang?

Lieblich tönt der Schall der Glocken

In des Waldes Lustgesang.

"Mutter, Mutter, lass mich gehen,

Schweifen auf den wilden Höhen!"

 

Willst du nicht der Blümlein warten,

Die im Beete freundlich stehn?

Draußen ladet dich kein Garten;

Wild ist′s auf den wilden Höhn!

"Lass die Blümlein, lass sie blühen!

Mutter, Mutter, lass mich ziehen!"

 

Und der Knabe ging zu jagen,

Und es treibt und reißt ihn fort,

Rastlos fort mit blindem Wagen

An des Berges finstern Ort;

Vor ihm her mit Windesschnelle

Flieht die zitternde Gazelle.

 

Auf der Felsen nackte Rippen

Klettert sie mit leichtem Schwung,

Durch den Riss gespaltner Klippen

Trägt sie der gewagte Sprung;

Aber hinter ihr verwogen

Folgt er mit dem Todesbogen.

 

Jetzo auf den schroffen Zinken

Hängt sie, auf dem höchsten Grat,

Wo die Felsen jäh versinken,

Und verschwunden ist der Pfad.

Unter sich die steile Höhe,

Hinter sich des Feindes Nähe.

 

Mit des Jammers stummen Blicken

Fleht sie zu dem harten Mann,

Fleht umsonst, denn loszudrücken,

Legt er schon den Bogen an;

Plötzlich aus der Felsenspalte

Tritt der Geist, der Bergesalte.

 

Und mit seinen Götterhänden

Schützt er das gequälte Tier.

"Musst du Tod und Jammer senden,"

Ruft er, "bis herauf zu mir?

Raum für Alle hat die Erde;

Was verfolgst du meine Herde?"


Das Gedicht "Der Alpenjäger" stammt von   (1759 - 1805).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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