Geh′! du kannst ja doch nicht bleiben;

Warum willst du gleich nicht gehn?

Warum willst du länger leiden,

Ringen noch mit Todeswehn?

Geh′, der Schwester nachzueilen,

Laß sie so allein nicht gehn!

Willst du nicht das Bettchen theilen,

Das ihr dort ist ausersehn?

Säumst du lang? An ihrer Seiten

Wird das Plätzchen dir entgehn;

Denn viel Knäbchen deinesgleichen

Sind′s, die jetzo schlafen gehn.

Und es wird dir keines weichen,

Deinetwegen keins aufstehn,

Wenn sie ihm den Platz bereiten

Neben deinem Schwesterchen.

Helfen wird dir dann kein Streiten,

Dann wird helfen dir kein Flehn,

Daß du sagest: Rück′ bescheiden!

Denn ich bin das Brüderchen.

Darum lieber geh′ beizeiten,

Weil es einmal muß geschehn!

Und es wird uns Trost ertheilen,

Wenn wir auf den Kirchhof gehn,

Ja, es wird das Herz uns heilen,

Wenn bei Frühlingslüfte-Wehn,

 

Eingefaßt von Blumenzeilen

Wir dort eure Gräber sehn

So vereint, wie eure beiden

Bettchen in der Kammer stehn:

Auch der Tod kann euch nicht scheiden,

Ihr zwei Unzertrennlichen!


Das Gedicht "Geh'! du kannst ja doch nicht bleiben" stammt von   (1788 - 1866).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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