Ich duld es nimmer! ewig und ewig so

Die Knabenschritte, wie ein Gekerkerter

Die kurzen vorgemeßnen Schritte

Täglich zu wandeln, ich duld es nimmer!

 

Ists Menschenlos - ists meines? ich trag es nicht,

Mich reizt der Lorbeer, - Ruhe beglückt mich nicht,

Gefahren zeugen Männerkräfte,

Leiden erheben die Brust des Jünglings.

 

Was bin ich dir, was bin ich, mein Vaterland?

Ein siecher Säugling, welchen mit tränendem,

Mit hoffnungslosem Blick die Mutter

In den gedultigen Armen schaukelt.

 

Mich tröstete das blinkende Kelchglas nie,

Mich nie der Blick der lächelnden Tändlerin,

Soll ewig Trauern mich umwolken?

Ewig mich töten die zornge Sehnsucht?

 

Was soll des Freundes traulicher Handschlag mir,

Was mir des Frühlings freundlicher Morgengruß,

Was mir der Eiche Schatten? was der

Blühenden Rebe, der Linde Düfte?

 

Beim grauen Mana! nimmer genieß ich dein,

Du Kelch der Freuden, blinkest du noch so schön,

Bis mir ein Männerwerk gelinget,

Bis ich ihn hasche, den ersten Lorbeer.

 

Der Schwur ist groß. Er zeuget im Auge mir

Die Trän, und wohl mir, wenn ihn Vollendung krönt,

Dann jauchz auch ich, du Kreis der Frohen,

Dann, o Natur, ist dein Lächeln Wonne.


Das Gedicht "Zornige Sehnsucht" stammt von   (1770 - 1843).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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