′s ist Mitternacht!

Der eine schläft, der andre wacht.

Er schaut beim blauen Mondenlicht

Dem Schläfer still ins Angesicht;

Drin tut ein böser Traum sich kund,

Wie seltsam zuckt er mit dem Mund!

′s ist Mitternacht!

Der eine schläft, der andre wacht.

 

′s ist Mitternacht!

Der eine schläft, der andre wacht.

»So sah der Freund noch nimmer aus,

Er greift zum Dolch, es macht mir Graus,

Er stöhnt, er lacht - du triffst ja mich!

Erwache doch, ich rüttle dich!«

′s ist Mitternacht!

Der andre ist nur halb erwacht.

 

′s ist Mitternacht!

Der andre ist nur halb erwacht!

Er stiert, er ruft: so lebst du noch,

Verruchter, und ich traf dich doch?

So nimm noch den! Hei! der war gut!

Warm spritzt mir ins Gesicht dein Blut!

′s ist Mitternacht!

Nun schlafen beide, keiner wacht.

 

′s ist Mitternacht!

Sie schlafen beide, keiner wacht!

Du wüste Eul′ im Eibenbaum,

Du krächztest ihn in diesen Traum,

Nun fängt die häm′sche Dohle an,

Ob sie ihn nicht erwecken kann.

′s ist Mitternacht!

Gott gebe, daß er nie erwacht!


Das Gedicht "′s ist Mitternacht!" stammt von   (1813 - 1863).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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