Spiegelnd ruht

Hier die Flut.

Kreisend seh ich Fischlein blinken;

Aus dem Busche singen Finken.

Still im Tau

Ruht die Au.

Dämmrung hüllt die schwanken Wipfel,

Deckt der runden Hügel Gipfel.

Veilchenduft

Füllt die Luft;

Grünlich knospen junge Bäume,

Und der Hain treibt braune Keime.

Purpurn blinkt,

Traulich sinkt

Dort am Jura hin die Sonne,

Und im Tal lacht Abendwonne.

Hoch verschwebt,

Gold umbebt,

Ragt weit in des Äthers Grenzen,

Weißer Berg! Dein reines Glänzen.

Nächtlich schwer,

Um mich her,

Stehn Savoyens Felsenmauern,

Überwallt mit Nebelsschauern.

Weit und breit,

Blaß verstreut,

Starren Zacken, Häupter, Trümmer;

Nur den Dom kränzt Rosenschimmer.

Stets zurück

Kehrt mein Blick.

Süßer Anblick! O ich sehe

Tief im See die Strahlenhöhe.

Ruhig wallt

Mild umstrahlt

Jetzt der Mond am Azurhimmel;

Um ihn her das Sterngewimmel.


Das Gedicht "Abendlandschaft am Genfersee" stammt von   (1765 - 1835).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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