Der Halbmond glänzet am Himmel,

Und es ist neblicht und kalt.

Gegrüßt sei du Halber dort oben,

Wie du, bin ich einer, der halb.

 

Halb gut, halb übel geboren,

Und dürftig in beider Gestalt,

Mein Gutes ohne Würde,

Das Böse ohne Gewalt.

 

Halb schmeckt ich die Freuden des Lebens,

Nichts ganz als meine Reu;

Die ersten Bissen genossen,

Schien alles mir einerlei.

 

Halb gab ich mich hin den Musen,

Und sie erhörten mich halb;

Hart auf der Hälfte des Lebens

Entflohn sie und ließen mich alt.

 

Und also sitz ich verdrossen,

Doch läßt die Zersplitterung nach;

Die leere Hälfte der Seele

Verdrängt die noch volle gemach.


Das Gedicht "Der Halbmond glänzet am Himmel" stammt von   (1791 - 1872).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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