Ich wußte ehmals nichts davon,

Bin unschuldsvoll gewesen,

Bis daß ich Wielands Oberon

Und Heines Gedichte gelesen. -

 

Die haben sodann im Lauf der Zeit

Mein bißchen Tugend bemeistert.

Ich träumte von himmlischer Seligkeit

Und ward zum Dichten begeistert.

 

Auch fand ich, das Dichten sei keine Kunst,

Man müßt′ es nur einmal gewohnt sein. -

Ich sang von feuriger Liebesbrunst,

Von Rosenknospen und Mondschein;

 

Besang der Sonne strahlendes Licht.

Viel Schönes ist mir gelungen.

Jeweilen mit dem schönsten Gedicht

Hab′ ich mich selber besungen.

 

Und folgte treu der gegebenen Spur

Auf meine Muster gestützet;

Schrieb viele Bogen Makulatur. -

Wer weiß, zu was sie noch nützet? -

 

Und wenn das Dichten so weitergeht,

So darf ich im Tode behaupten:

"Am Ende war ich doch ein Poet,

Obwohl es die wenigsten glaubten." -


Das Gedicht "Schluß" stammt von   (1864 - 1918).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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