Weiß die Mutter doch so gut,
Wann die Apfel reifen,
Und ihr eigen Fleisch und Blut
Will sie nicht begreifen!
Wenn ich nicht so trostlos wär,
Ging′s mir wohl um Treue;
Kommt das Glück von ungefähr.
Folgt ihm keine Reue.
Seht euch nur dies Leben an,
Hühner, Enten, Gänse -
Drüben schwingt der Schnittersmann
Schon die blanke Sense.
Baut ich auf den lieben Gott,
Baut auf meine Karten,
Ward bei beiden mir zum Spott,
Lernte fleißig warten!
Zwanzig Sommer sind vorbei,
Armes, kurzes Leben -
Hast nun einen süßen Mai
Heimlich doch gegeben!
Ist die Nacht nicht gar so still,
Stiller wird′s am Tage;
Weiß man einmal, was man will,
Scheut man keine Plage.
Das Gedicht "Franziskas Abendlied" stammt von Frank Wedekind (1864 - 1918).
Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.
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