Gleichwie an des Ades Thor

Wagend sich Odysseus setzte,

Die Gestorbenen beschwor,

Und mit Widderblut sie letzte;

 

Daß für das ersehnte Naß

Jeder seinen Spruch ihm gebe,

Daß zumal Teiresias

Ihm der Zukunft Schleier hebe:

 

So auch oft an dem Gestad

Meines Erebos, des Meeres,

Sitz´ ich, der Laertiad´

Eines luft´gen Todtenheeres.

 

Aber nicht durch Blut und Wein,

Ird´schen Stoff, bin ich ihr Meister;

Kraft des Willens sind sie mein:

Nur der Geist beschwört die Geister!

 

Aus des Geistes Tiefen quillt,

Was das Aug´ als Geister schauet;

Aus mir selber, kühn und wild,

Steigt empor, davor mir grauet.

 

Siehe, roth vom eignen Blut,

Kommen sie herangezogen,

Seelen derer, so die Flut

In das Todtenreich gezogen;

 

Kön´ge, denen aus der Hand

Sie das goldne Scepter spülte;

Mädchen, denen sie entbrannt

In den todten Reizen wühlte;

 

Schiffer, denen hundert Jahr

Wellen schon den Schädel netzen -

Wende dich, du düstre Schaar,

Denn es fasset mich Entsetzen!

 

Weh´! was hab´ ich euch gestört,

Schlumm´rer auf dem Grund der Meere!

Weh´, wo ist des Griechen Schwert,

Daß ich eurem Zürnen wehre!


Das Gedicht "Geisterschau" stammt von   (1810 - 1876).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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