Ich komm im Sommerwald daher

Und lausche seinem Weben –

Kein menschlich Schreiten trägt mich mehr,

Ein Wallen ist’s und Schweben.

 

Ich blicke nieder zur Blume ins Kraut,

Blick auf zur Sonn in die Höhe –

Wie aus dem Kleinen das Große sich baut:

Geheiligt ist, was ich sehe!

 

Klar wird’s in mir und seherhell –

Wie meine Sinne lauschen,

Klingt in mich ein, was leis der Quell,

Was Gräser und Bäume rauschen,

 

Hör ich das kreisende Blut der Natur

Durch Erden und Welten wallen,

Hör ich durch alle Kreatur

Den e i n e n Herzschlag hallen.


Das Gedicht "Sommer" stammt von (* 1856-12-20, † 1923-09-22).





Ein Gedicht ist eine besondere sprachliche Ausdrucksform, das aus Versen (und Strophen) besteht, die sich i.d.R. reimen.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern verdichten Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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