Ihr steht so da: Ich lebte schon einmal

und war ein andrer. Harte Farben flossen

um meine Brust und spannten herrisch prall.

Euch grüßte ich als meines Herrentums Genossen.

 

Waren wir junge Prinzen nicht vor Zeiten?

Die Straße sah uns federnd leicht im Gang,

wir ließen sicherschwebend unsre Blicke gleiten

und lebten frei in einem fühlsam unsichtbaren Zwang.

 

Wir waren Wir. – Ich kann es nicht mehr fest begreifen

über die Zeit-verwehte Fläche, die uns trennt -:

Mir scheint, wir konnten nie uns auf uns selbst versteifen. -

Mir träumte stets ein Staunen, daß einer seinen Namen nennt.

 

Das zaubert traumhaft die zerstobnen Jahre.

Ich trete manchmal leise aus mir selbst heraus

und schleiche spähend weg, daß ich erfahre:

Warum fühl’ ich mich immer noch bei euch zu Haus?


Das Gedicht "Erinnerung" stammt von (* 1890-01-06, † 1914-09-26).





Ein Gedicht ist eine besondere sprachliche Ausdrucksform, das aus Versen (und Strophen) besteht, die sich i.d.R. reimen.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern verdichten Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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