Da sind die Straßen weit und Licht-durchschrieen,

hoch wölkt der Staub und breitet aus den Schein,

durch den gehetzt Kolonnen Wagen fliehen

in violette Dunkelheit hinein.

 

Und Menschen, massenhaft und schwarz, durchstürmen

die Straßen, vorgebeugt und frongebannt.

Und Feierabend läutet von den Türmen

der Stadt, verloren, hoch und unerkannt.

 

Lärm stößt an Lärm. Schmerzhelle Klingeln schellen,

zersägend das Gehör. Wagen mit Eisen

erschüttern. Die Elektrische mit grellen

Schleiftönen nimmt die Kurve in den Gleisen.

 

Und meiner Nerven Netz, so fein besaitet,

drin Perlen hängen aus dem ewigen Meer:

es ist als Teppich in den Staub gebreitet,

und gräßlich wälzt der Tag sich drüberher.


Das Gedicht "Da sind die Straßen…" stammt von (* 1890-01-06, † 1914-09-26).





Ein Gedicht ist eine besondere sprachliche Ausdrucksform, das aus Versen (und Strophen) besteht, die sich i.d.R. reimen.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern verdichten Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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