Wie wir uns fanden zum ersten Mal
Unterm Fliederbusch, bei der Mühle im Tal,
Wo die Quelle rann am verborgenen Platz,
Hans Du mein Lieb, Hans Du mein Schatz,
Weißt Du noch?
Weißt Du es noch?
„Hing nicht der Flieder über uns her,
Eine schattige Laube, duftend und schwer?
Sang nicht die Nachtigall süßen Laut?
Klärchen mein Lieb, Klärchen mein Traut —
Freilich doch
Weiß ich es noch."
Wie wir da saßen auf einsamer Bank,
Bis Dir mein Haupt an die Wange sank,
Wie es da ruhen und rasten blieb —
Hans Du mein Schatz, Hans Du mein Lieb
Weißt Du noch?
Weißt Du es noch?
„Als wir uns setzten, stand hoch ja der Tag,
Als wir aufstanden, der Mondschein lag
Über den Wiesen, duftig betaut;
Klärchen mein Lieb, Klärchen mein Traut,
Freilich doch
Weiß ich es noch."
Wie wir dann gingen durch Wiesen und Land,
Arme in Armen und Hand in Hand,
Was Du mir sagtest und flüstertest doch
Hans Du mein Schatz, das glückselige Wort,
Weißt Du noch?
Weißt Du es noch?
„Sah ich nicht glühen Dein süßes Gesicht,
Als ich Dir sagte ganz leise, ganz dicht:
Bist mir mein alles, mein Herz, meine Braut -
Klärchen mein Lieb, Klärchen mein Traut,
Freilich doch
Weiß ich es noch."
Nicht mehr zusammen durch Wiesen und Land
Gehen wir beide nun Hand in Hand —
Sag’ mir, wie lang ist das all nun vorbei,
Siehst mich heut an, ob ich’s selber noch sei,
Fragst, wo das Antlitz, das lachende, blieb —
Hans Du mein Alter, Hans Du mein Lieb,
Sprachest mir heut
Nicht wie vor Zeit.
„Rücke mir näher Dein liebes Gesicht,
Will Dir was sagen, ganz leise, ganz dicht:
Klärchen mein Altchen, Klärchen mein Traut,
Warst mir mein alles, mein Herz, meine Braut,
Warst es vor Zeit,
Bist es noch heut,
Sollst es mir bleiben in Ewigkeit."
Gedichte