Im sinkenden Abend, wenn die Fischer in den Meerhäfen ihre Kähne rüsten,

In der austreibenden Flut, die braunen Masten zitternd vor dem Wind –

Seele, wirfst du zitternd dich ins Segel, gierig nach entlegnen Küsten,

Dahin die Wunder deiner Nächte dir entglitten sind?

 

Oder bist du so wehrlos deiner Sterne Zwang verfallen,

Daß dich ein irrer Wille nur ins Ferne, Uferlose drängt –

Auf wilden Wassern schweifend, wenn die Stürme sich in deines Schiffes Rippen krallen,

Und Nacht und Wolke endlos graues Meer und grauen Himmel mengt?

 

Und wütest du im Dunkel gegen dein Geliebtes und erwachst mit strömend tiefen Wunden,

Das Auge matt, dein Blut verbrannt und deiner Sehnsucht Schwingen leer,

Und siehst, mit stierem Blick, und unbewegt an deines Schicksals Mast gebunden

Den Morgen glanzlos schauern überm Meer?


Das Gedicht "Trübe Stunde" stammt von   (1883 - 1914).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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