Und strahlend unter goldnem Baldachin

um starre Wipfel funkelnd hingebreitet

und Kronen tragend gehn wir hin

und flüsternd gleitet

dein süßer Tritt gedämpft im bunten Laub.

Aus wilden schwanken lachenden Girlanden

rieselt′s wie goldner Staub

und webt sich fließend ein in den Gewanden

und heftet wie Juwelen schwer

sich dir ins Haar und jagt vom Licht gehetzt

in grellen Wirbeln vor uns her

und sinkt aufstiebend in das wirre Meer

kräuselnder Blätter die vom Abendduft genetzt

wie goldgewirkte Teppiche sich spannen ...

 

Nun lischt im fernsten Feld der letzte Laut.

Vom Feuer leis umglüht ragen die Tannen.

Ein feiner dünner Nebel staut

und schlingt sich bäumend um zermürbte Reiser

und irgendwo zerfällt ein irres Rufen.

 

Und deiner Schleppe Goldsaum knistert leiser

und atmend steigen wir auf steilen Stufen.

Weit wächst das Land von Schatten feucht umballt.

 

Drohend aus Nebeln reckt sich Baum an Baum.

Und schwarz umfängt uns schon der große Wald.

Und dunkel trägt uns schon der große Traum.


Das Gedicht "Herbstgang" stammt von   (1883 - 1914).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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