Dein morgentiefes Auge ist in mir, Marie.

Ich fühle, wie es durch die Dämmerung mich umfängt

Der weiten Kirche. Stille will ich knien und warten, wie

Dein Tag aus den erblühten Heiligenfenstern zu mir drängt. –

 

Wie kommt er sanft und gut und wie mit väterlicher Hand

Umschwichtigend. Wann wars, daß er mit grellen Fratzen mich genarrt,

Auf Vorstadtgassen, wenn mein Hunger nirgends sich ein Obdach fand –

Oder in grauen Stuben mich aus fremden Blicken angestarrt?

 

Nun strömt er warm wie Sommerregen über mein Gesicht

Und wie dein Atem voller Rosenduft, Marie,

Und meiner Seele dumpf verwirrt Getön hebt sanft sein Licht

In deines Lebens morgenreine Melodie.


Das Gedicht "Der Morgen" stammt von   (1883 - 1914).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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