Auf! Laßt uns fröhlich singen

Ein Lied von Tod und Grab!

Gar herrlich soll es klingen

Ins letzte Bett hinab:

Des Friedhofs stiller Hügel

Kein Leben deckt er zu,

Der Geist schwingt frohe Flügel

Und fliegt der Heimat zu.

 

Er sagt der grünen Erde

Die letzte gute Nacht,

Denn Arbeit, Not, Gefährde

Sie sind mit Gott vollbracht,

Die Freuden und die Mühen

Der armen Sterblichkeit -

Nun sieht er Kränze blühen

Im Lenz der Ewigkeit.

 

Nun sieht er hell im Lichte,

Was hier so dunkel war,

Des Herzens Traumgesichte,

Des Lebens Rätsel klar;

Nun kann er ganz verstehen,

Was Gott, was Christus ist:

Wie wohl ist ihm geschehen,

Daß er gestorben ist!

 

Drum wolln wir fröhlich singen

Ein Lied von Tod und Grab,

Ein Himmelslied soll klingen

Ins Erdenbett hinab!

Die Seele hat gewonnen

Das ew′ge Morgenrot

Und schaut aus heitern Wonnen

Hinab auf Grab und Tod.


Das Gedicht "Grablied" stammt von   (1769 - 1860).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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