Im Garten wandelt hohe Mittagszeit,

der Rasen glänzt, die Wipfel schatten breit;

von oben sieht, getaucht in Sonnenschein

und leuchtend Blau, der alte Dom herein.

 

Am Birnbaum sitzt mein Töchterchen im Gras;

die Märchen liest sie, die als Kind ich las;

ihr Antlitz glüht, es ziehn durch ihren Sinn

Schneewittchen, Däumling, Schlangenkönigin.

 

Kein Laut von außen stört; ′s ist Feiertag -

nur dann und wann vom Turm ein Glockenschlag!

Nur dann und wann der mattgedämpfte Schall

im hohen Gras von eines Apfels Fall!

 

Da kommt auf mich ein Dämmern wunderbar,

gleichwie im Traum verschmilzt, was ist und war:

die Seele löst sich und verliert sich weit

ins Märchenreich der eignen Kinderzeit.


Das Gedicht "Mittagszauber" stammt von   (1815 - 1884).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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