Märchen dämmern herauf,

Reizende Märchen.

 

Kennst du die Sage?

Durchs Blau der Mondnacht

Wolkenvorüber

Rauscht der Greif.

Schwebend trägt er

Die Sultanskinder,

Trägt sie gebettet

Unter den mächtigen Schwingen

Über das Meer,

Ferne, ferne hinaus

Zu seligen Inseln.

 

Neide, Geliebte,

Neide sie nicht,

Die Sultanskinder!

Trägt nicht uns beide

Auf Greifenflügeln

Hoch hinauf

Der Geist der Dichtung?

Unten versinken

In silberner Dämmrung

 

Land und Meer,

Schwinden im Nebel

Schranken und Sorgen,

Wir aber ruhen

Unter dem weichgefiederten Fittich

Sicher gebettet,

Aug′ in Auge,

Arm in Arm,

Einsam selig.

 

Märchen leben wir,

Reizende Märchen.


Das Gedicht "Liebesleben" stammt von   (1815 - 1884).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte