Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus,

Da bleibe, wer Lust hat, mit Sorgen zu Haus;

Wie die Wolken wandern am himmlischen Zelt,

So steht auch mir der Sinn in die weite, weite Welt.

 

Herr Vater, Frau Mutter, daß Gott euch behüt!

Wer weiß, wo in der Ferne mein Glück mir noch blüht!

Es gibt so manche Straße, da nimmer ich marschiert,

Es gibt so manchen Wein, den ich nimmer noch probiert.

 

Frisch auf drum, frisch auf im hellen Sonnenstrahl

Wohl über die Berge, wohl durch das tie e Tal!

Die Quellen erklingen, die Bäume rauschen all,

Mein Herz ist wie′ne Lerche und stimmet ein mit Schall.

 

Und abends im Städtlein da kehr′ ich durstig ein:

"Herr Wirt, Herr Wirt, eine Kanne blanken Wein!

Ergreife die Fiedel, du lust′ger Spielmann du,

Von meinem Schatz das Liedel sing′ ich dazu."

 

Und find′ ich keine Herberg′, so lieg′ ich zu Nacht

Wohl unter blauem Himmel, die Sterne halten Wacht:

Im Winde die Linde, die rauscht mich ein gemach,

Es küsset in der Früh′ das Morgenrot mich wach.

 

O Wandern, o Wandern, du freie Burschenlust!

Da wehet Gottes Odem so frisch in die Brust;

Da singet und jauchzet das Herz zum Himmelszelt:

Wie bist du doch so schön, o du weite, weite Welt!


Das Gedicht "Der Mai ist gekommen" stammt von   (1815 - 1884).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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