Horch! auf der Erde feuchtem Grund gelegen,

Arbeitet schwer die Nacht der Dämmerung entgegen,

Indessen dort, in blauer Luft gezogen,

Die Fäden leicht, unhörbar fließen, -

Und hin und wieder mit gestähltem Bogen

Die lust′gen Sterne goldne Pfeile schießen.

 

Im Erdenschoß, im Hain und auf der Flur,

Wie wühlt es jetzo rings in der Natur

Von nimmersatter Kräfte Gärung!

Und welche Ruhe doch und welch ein Wohlbedacht!

Mir aber in geheimer Brust erwacht

Ein peinlich Widerspiel von Fülle und Entbehrung

Vor diesem Bild, so schweigend und so groß.

Mein Herz, wie gerne machtest du dich los!

Du schwankendes, dem jeder Halt gebricht,

Willst, kaum entflohn, zurück zu deinesgleichen.

Trägst du der Schönheit Götterstille nicht,

So beuge dich! denn hier ist kein Entweichen.


Das Gedicht "Nachts" stammt von   (1804 - 1875).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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