Am Geburtstag des Freundes

 

O liebste Kirche sondergleichen,

Auf deinem Berge ganz allein,

Im Wald, wo Linden zwischen Eichen

Ums Chor den Maienschatten streun!

 

Aus deinem grünen Rasen steigen

Die alten Pfeiler prächtig auf,

An Drachen, Greifen, Laubgezweigen

Reich bis zum letzten Blumenknauf.

 

Und Nachtigall und Kuckuck freuen

Sich dein- und ihrer Einsamkeit,

Sie kommen jährlich und erneuen

Dir deine erste Frühlingszeit.

 

Der Wohllaut deiner Orgeltöne

Schläft, ach, manch lieben langen Tag,

Bis einmal sich dein Tal der Schöne

Deines Geläutes freuen mag.

 

Dort, wo aus gelbem Stein gewunden

Die Treppe hängt, ein Blumenkranz,

Vertieft sich heut in Abendstunden

Mein Sinn in ihre Zierde ganz.

 

Sieh! ihre leicht geschlungnen Glieder

Verklären sich in rotes Gold!

Und horch, die Spindel auf und nieder

Gehn Melodieen wunderhold!

 

Musik der hundertfachen Flöte,

Die mit dem letzten Strahl verschwebt,

Und schweigt - bis sie die Morgenröte

Des gleichen Tages neu belebt.


Das Gedicht "Bei der Marien-Bergkirche" stammt von   (1804 - 1875).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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