Du klagst mir, Freund, daß immer die Mutter noch

Des schönen Kindes gleich unerbittlich sei.

Geduld! noch leben wir im Jänner,

Aber nicht stets wird der Eiswind schnauben.

 

Im Winkel, wo sich einsam des Daches Trauf

In morscher Rinne sickernd vereiniget,

Hängt mannsdick, zuckerkandelartig

Schimmernd ein sechsfach verwachsnes Monstrum.

 

Bald wehen laue Lüfte den Frühling her,

Dein Gartenbeet vergoldet der Krokus schon;

Eidechslein sonnen ihr smaragdnes

Kleidchen am bröckelnden Felsen wieder.

 

Grün wird das Wiesental, und der lichte Wald

Vertieft in Schatten schon sich geheimnisvoll,

Die wilde Taube gurrt, der Jäger

Schmückt sich den Hut mit dem jungen Zweige.

 

Blieb dann von jenem eisigen Ungetüm

Auch wohl die Spur noch? - Warte den Sommer ab.

Im schlimmsten Fall, o Bester, denke,

Daß noch des Wildes im Forste mehr lebt!


Das Gedicht "An einen Liebenden" stammt von   (1804 - 1875).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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