Und der Engel Israfel, dessen Herz eine Laute ist

und der die süßeste Stimme von allen Kreaturen

Gottes hat.

Koran

 

Im Himmel wohnt ein Geist,

Sein Herz ein Saitenspiel.

Keiner singt so wild und schön

Wie Israfel. Am fernsten Ziel

Bleiben die Sterne stehn (wie es heißt),

Gebannt vom Getön.

 

Auf seinen Pfaden

Zur höchsten Mitternacht

Taumelt der Mond liebe-entfacht.

Ja, der Blitz und die raschen Plejaden

Halten inne im Lauf

Und horchen auf.

 

Und die Engelschar, die ihn umringt,

Und das lauschende Sternengedränge

Sie sagen, daß Israfels Glut

Allein in der Harfe ruht,

Deren zitternde, lebende Stränge

Er berührt, wenn er singt.

 

Doch tritt der Engel Bahnen,

Wo tiefe Gedanken Gebot,

Wo die Liebe ein starker Gott,

Wo die Huris immerdar

In Schönheit strahlen, so wunderbar,

Wie wir sie hienieden nicht ahnen.

 

Wohl ist voll Glut sein Gesang.

In der Laute wilden Klang,

Ihrem Hassen und Liebesrasen,

Mischt sich der Überschwang

Der Himmels-Ekstasen.

 

Der Himmel ist sein.

Doch dies ist eine Welt voll Müh

Und Unvollkommenheit.

Unsere Blumen welken früh,

Und unser Sonnenschein

Ist der Schatten seiner Seligkeit.

 

Wohnt ich wie er in Himmelshöhn

Und er wäre ich -

Er sänge wohl nicht so wild und schön

Sterbliche Melodien,

Doch kühne Gesänge würden sich

Auch dann durch die Himmel ziehn.


Das Gedicht "Israfel" stammt von   (1809 - 1849).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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