Einstmals war ein stilles Tal,

Unbewohnt; mit Schild und Stahl

Zog das Volk in Kriege fort;

Hielten milde Sterne dort

Vom arzurnen Turm zur Nacht

Über all die Blumen Wacht,

Über denen jeden Tag

Rot und faul die Sonne lag.

Jetzt wird jeder Wandrer sehen

Unrast dieses Tal durchwehen,

Nichts ist da, das nicht sich regt,

Luft nur brütet unbewegt

Ob der Zauber-Einsamkeit.

Ach, kein Lüftchen weit und breit

Rührt der Bäume Blätterkleid,

Die da pulsen ohne Frieden

Gleich dem Eismeer der Hebriden.

Ach, kein Lüftchen jagt und bauscht

Das Gewölk, das ruhlos rauscht,

Rastlos rauscht von früh bis spät

Über Myriadenbeet

Blauer Veilchen, sorgenreich,

Myriaden Augen gleich,

Über Lilien, die so weich

Wehend, weinend schaun herab

Auf ein namenloses Grab!

Wehend: aus dem Duft heraus

Kommen Tropfen ewigen Taus.

Weinend: von den zarten Zweigen

Ewig Tränen niedersteigen,

Die gleich Edelsteinen schweigen.


Das Gedicht "Das Tal der Unrast" stammt von   (1809 - 1849).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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