Es ist lange her, da lebte am Meer,

Ich sag euch nicht wo und wie -

Ein Mägdelein zart, von seltener Art,

Mit Namen Annabel Lee. Und das Mägdelein lebte für mich allein,

Und ich lebte allein für sie.

 

Ich war ein Kind, und sie war ein Kind,

Meine süße Annabel Lee,

Doch eine Liebe, so groß, so grenzenlos,

Wie die unsere, gab es nie.

Wir liebten uns so, daß die Engel darob

Beneideten mich und sie.

 

Da kam eines Tags aus den Wolken stracks

Ein Ungewitter und spie

Seinen Geifer aus, einen Höllengraus,

Und traf meine Annabel Lee.

Und es kam ein hochgeborener Lord,

Der holte auf immer sie von mir fort

In sein Reich am Meer und sperrte sie

Dort ein, meine Annabel Lee.

Ja, neidisch war die geflügelte Schar

Im Himmel auf mich und sie,

Und dies war der Grund, daß der Höllenmund

Des Sturms sein Verderben spie,

Bis sie erstarrte,

Und der Tod sie verscharrte,

Meine süße Annabel Lee.

 

Doch eine Liebe, so groß, so grenzenlos,

Wie die unsere, gab es nie.

So liebten Ältere nie,

So liebten Weisere nie,

Und wären die Engel auch noch so scheel,

Sie trennten doch nicht meine Seel′ von der Seel′

Der lieblichen Annabel Lee.

 

Wenn die Sterne aufgehn, so kann ich drin sehn

Die Äuglein der Annabel Lee,

Und noch jegliche Nacht hat mir Träume gebracht

Von der lieblichen Annabel Lee.

So ruh′ ich denn, bis der Morgen graut,

Allnächtlich bei meinem Liebchen traut

In des schäumenden Grabes Näh′,

An der See, an der brandenden See.

 


Das Gedicht "Annabel Lee" stammt von   (1809 - 1849).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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