Mitternacht, die Gärten lauschen,

Flüsterwort und Liebeskuss,

Bis der letzte Klang verklungen,

Weil nun alles schlafen muss -

Flussüberwärts singt eine Nachtigall.

 

Sonnengrüner Rosengarten,

Sonnenweiße Stromesflut,

Sonnenstiller Morgenfriede,

Der auf Baum und Beeten ruht -

Flussüberwärts singt eine Nachtigall.

 

Straßentreiben, fern, verworren,

Reicher Mann und Bettelkind,

Myrtenkränze, Leichenzüge,

Tausendfältig Leben rinnt -

Flussüberwärts singt eine Nachtigall.

 

Langsam graut der Abend nieder,

Milde wird die harte Welt,

Und das Herz macht seinen Frieden,

Und zum Kinde wird der Held -

Flussüberwärts singt eine Nachtigall.


Das Gedicht "Schöne Junitage" stammt von   (1844 - 1909).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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