Du nimmst als Sterbenden

Den kranken Mann

Siehst als noch Lebenden

Den Todten an.

O rufe nicht zur Wehr,

Mich nicht zum Thun;

Mir ziemt kein Kämpfen mehr,

Mir ziemt nur Ruhn.

Lieg ich im Bette hier

Wie in der Gruft,

Steigt der Gedanke mir

Hoch in die Luft;

Ich überscheu als Schwan

Mit Vogelblick

Des Lebens wirre Bahn

Und mein Geschick.

Nicht war, was ich geschafft,

Allwege gut.

Ach, blad gebrach′s an Kraft

Und bald an Muth.

Hier von Glückes Huld

Ward ich begrüßt;

Dort hab ich eigne Schuld

Wie schwer gebüßt.

Das, halb im Traume geht

An mir vorbei,

Mein Leben ist verweht,

Und ich bin frei.

Was blieb dir, Seele, nun,

Als daß mit Ernst

Du in dir selber ruhn?

Du sterben lernst?


Das Gedicht "An Rapp" stammt von   (1808 - 1874).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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