Über schwarzem Tannenhange

Schimmerst mir zum Abendgange,

Eine Liebe fühl ich neigen

Sich in deinem Niedersteigen,

Unbemerkt bist du gekommen,

Aus der blassen Luft entglommen.

So mit ungehörten Tritten,

Durch die Dämmrung hergeglitten,

Kam die Mutter, die mir legte

Auf die Schulter die bewegte

Hand, dass ich ihr nicht verhehle,

Was ich leide, was mich quäle,

Und warum ich ohne Klage

Mich verzehre, mich zernage.

Und ich schwieg, und unter Zähren

Liess sie meinen Trotz gewähren.

Hat sie Wohnung jetzt, die Milde,

Dort in deinem Lichtgefilde?

Deiner Strahlen saug ich jeden,

Durch das Dunkel hör ich reden,

- Und mir ist, als ob die kühle

Hand ich auf der Schulter fühle -

Reden nicht von Seligkeiten,

Nur Erinnrung alter Zeiten!

Jetzt versteht sie ohne Kunde,

Wer ich bin im Herzensgrunde.

Dies und jenes muss sie schelten,

Andres lässt sie heiter gelten,

Und sie meint, wie sichs entschieden,

Gebe sie sich auch zufrieden ...

Abendstern, du eilst geschwinde!

Lass sie plaudern mit dem Kinde!

Freundlich zitternd gehst du nieder ...

Mutter, Mutter, komme wieder!


Das Gedicht "Hesperos" stammt von   (1825 - 1898).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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