Camoëns, der Musen Liebling,

Lag erkrankt im Hospitale.

In derselben armen Kammer

Lag ein Schüler aus Coimbra,

Ihm des Tages Stunden kürzend

Mit unendlichem Geplauder.

 

"Edler Herr und grosser Dichter

Was sie melden, ist es Wahrheit

Dass gescheitert eines Tages

Am Gestad von Coromandel

Sei das undankbare Fahrzeug,

Das beehrt war, Euch zu tragen?

Dass Ihr, kämpfend in der Brandung,

Mit der Rechten kühn gerudert,

Doch in ausgestreckter Linken,

Unerreicht vom Wellenwurfe,

Hieltet Eures Liedes Handschrift?

Schwer wird solches mir zu glauben.

Herr, auch mir, wann ich verliebt bin,

Sind Apollos Schwestern günstig;

Aber ging′ es mir ans Leben,

Flattern meine schönsten Verse

Liess ich wahrlich mit dem Winde,

Brauchte meine beiden Arme!"

 

Antwort gab der Dichter lächelnd:

"Solches tat ich, Freund, in Wahrheit,

Ringend auf dem Meer des Lebens!

Wider Bosheit, Neid, Verleumdung

Kämpft ich um des Tages Notdurft

Mit dem einen dieser Arme.

Mit dem andern dieser Arme

Hielt ich über Tod und Abgrund

In des Sonnengottes Strahlen

Mein Gedicht, die Lusiaden,

Bis sie wurden, was sie bleiben."


Das Gedicht "Camoëns" stammt von   (1825 - 1898).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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