Hier sitzt das liebe neue Jahr

Auf einem lustgen Feigenbaum,

Zwölf Liebschaften ist kleine Schar

Die machen ja ein Dutzend kaum.

Der Jenner trägt den Morgenstern

Bei meinem Liebchen wär ich gern,

Der Februar haucht in die Hand

Die Liebe kommet zu Verstand,

Der März macht sich den Veilchenkranz

Bescheiden Lieb gibt Duft und Glanz

April mit einem Korb sich ziert

Veränderlich wird angeführt

Der Mai mit süßen Blumenglocken

Wills Liebchen in den Garten locken.

Der Juni gibt das Feigenblatt

Der Jungfrau wenn sie′s nötig hat,

Der Juli zeigt ihr gar die Feigen

Wird sie ihm wohl Ohrfeigen reichen?

August bringt ihr die Ähre dar,

Fruchtbare Lieb ist auch ehrbar

September trinket auf ihr Heil,

Doch währt der Rausch nur kurze Weil

Oktober weint, November friert

Weil seine Federn er verliert

Dezember betet und ist fromm

Daß er etwas beschert bekomm.

Und alle treiben solches Spiel

Um einen Apfel, der ihr Ziel,

Den Eva von der Schlange nahm

Und der uns allen schlecht bekam!


Das Gedicht "Hier sitzt das liebe neue Jahr" stammt von   (1778 - 1842).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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