Ainer clagt sein ellends wesen

Nvn waisz ich armer, wav ich sol:
Ach vnd we vnd iamers vol!
Seid ich van ir geberret wardt,
Leb ich in Turteltauben artt;
Wann die ir lieb verlüisset,
Chain lieb sy mer erküisset
Vnd sitzt nit mer vff ‹grönes› zwey.
Das selb laid wont mir bey
In gleicher weis, als ich nun stavn,
Seid ich nyemands havn,
Dem ich armer clag mein laidt;
Dauon ist mein iamer praitt.

Nun hab ich anders trostes nicht,
Dann ob mir das hail geschicht,
Das ich ain ander lieb erwerb,
Ee ich also gar verderb,
Vnd far yrr in meinem můt,
Als ain zames välcklin tůt,
Das sy verschwingt also ferr,
Das sein vermiszt sein rechter herr.

Das wartt vnd specht ze hannd,
Wer Im raich sein hannd,
Also wartt ich zu diser stund,
Wellich rosenuarber mund
Zu mir sprech: got müsz dich grüssen.
Friund, ich will dir swär püssen:

Wellich fraw so grüsset mich,
Die sol das wissen sicherlich,
Das ich will sein ir vndertavn,
Die weil vnd ich das leben havn,
Vnd das vns chainerlay not
Geschaden kan, dann der tott.


Das Gedicht "Klage eines verlassenen Liebhabers" stammt von   (1451 - 1475).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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