Es gibt ein sehr probates Mittel,

die Zeit zu halten am Schlawittel:

Man nimmt die Taschenuhr zur Hand

und folgt dem Zeiger unverwandt,

 

Sie geht so langsam dann, so brav

als wie ein wohlgezogen Schaf,

setzt Fuß vor Fuß so voll Manier

als wie ein Fräulein von Saint-Cyr.

 

Jedoch verträumst du dich ein Weilchen,

so rückt das züchtigliche Veilchen

mit Beinen wie der Vogel Strauß

und heimlich wie ein Puma aus.

 

Und wieder siehst du auf sie nieder;

ha, Elende! - Doch was ist das?

Unschuldig lächelnd macht sie wieder

die zierlichsten Sekunden-Pas.


Der Text des Gedichts "Die Zeit" stammt von (* 1871-05-06, † 1914-03-31).




Weitere gute Gedichte von Christian Morgenstern zum Lesen.



Zur Startseite: Gedichte