Es läutet beim Professor Stein.

Die Köchin rupft die Hühner.

Die Minna geht: Wer kann das sein? -

Ein Gaul steht vor der Türe.

 

Die Minna wirft die Türe zu.

Die Köchin kommt: Was gibts denn?

Das Fräulein kommt im Morgenschuh.

Es kommt die ganze Familie.

 

"Ich bin, verzeihn Sie," spricht der Gaul,

"der Gaul vom Tischler Bartels.

Ich brachte Ihnen dazumaul

die Tür- und Fensterrahmen!"

 

Die vierzehn Leute samt dem Mops,

sie stehn, als ob sie träumten.

Das kleinste Kind tut einen Hops,

die andern stehn wie Bäume.

 

Der Gaul, da keiner ihn versteht,

schnalzt bloß mal mit der Zunge,

dann kehrt er still sich ab und geht

die Treppe wieder hinunter.

 

Die dreizehn schaun auf ihren Herrn,

ob er nicht sprechen möchte.

"Das war", spricht der Professor Stein,

"ein unerhörtes Erlebnis!" . . .

 

(aus "Galgenlieder")


Das Gedicht "Der Gaul" stammt von   (1871 - 1914).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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