Wie lang nun schon die Dämmrung wieder
Die grossen Augen offen hält!
Ich fühle fast die schweren Lider,
Die halber Schlummer schon befällt -
Und doch, trotz allem Drosselschlag,
Noch nicht zum Sinken bringen mag.

Du zagst, den Leuchter zu entzünden,
Und wartest, grossgeäugt, auch du,
Und starrst, wie sie, den bleichen Gründen,
Darin ein Weltall schlummert, zu,
Darin Besonnte mit Besonnern
In noch verborgnem Taumel donnern.

Doch bald ergrünt ein Stern im Hellen,
Und langsam lischt ihr Wachen hin ..
Und hunderttausend Früchte schwellen
Zu Häupten einer Träumerin:
Als hätte sie ihr Blick gereift -
Die Fülle, die kein Mass begreift.


Das Gedicht "Abenddämmerung" stammt von   (1871 - 1914).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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