Ein Jüngling stritt mit einem Alten

Sehr lebhaft über ein Gedicht.

Der Alte hielt′s für schön; der Jüngling aber nicht,

Und hatte recht, es nicht für schön zu halten.

Er wies dem Alten Schritt für Schritt

Hier bald das Matte, dort das Leere

Und dachte nicht, daß der, mit dem er stritt,

Der Autor des Gedichtes wäre.

 

"Wie", sprach der Alte ganz erhitzt,

"Sie tadeln Ausdruck und Gedanken?

Mein Herr, Sie sind zu jung, mit einem Mann zu zanken,

Den Fleiß, Geschmack und Alter schützt.

Da man Sie noch im Arm getragen,

Hab′ ich der Kunst schon nachgedacht.

Und kurz: was würden Sie wohl sagen,

Wenn ich die Verse selbst gemacht?"

 

"Ich", sprach er, "würde, weil Sie fragen,

Ich würde ganz gelassen sagen,

Daß man, Geschmack und Dichtkunst zu entweihn,

Oft nichts mehr braucht, als alt und stolz zu sein."


Das Gedicht "Der alte Dichter und der junge Kritikus" stammt von   (1715 - 1769).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Empfehlungen

Weitere gute Gedichte des Autors:



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte