Die Welt liegt stets im Streit: doch dencket nicht ihr Helden/

Die ihr der Erden-Kreiß mit Stahl und Eisen zwingt/

Daß ich von eurem Kampf/ von Mord und Blut will melden/

Und wie ihr Land und Leut in eure Feßel bringt.

Ich meine diesen Krieg/ den wir mit Lieben führen/

Mit Liebe/ die diß Rund in ihre Bande schlägt/

Durch welche wir Gewalt an Leib und Seele spühren/

Und die die Helden auch zu ihren Füßen legt.

Die Liebe heißt das Band des Himmels und der Erden/

Wenn sie vollkommen ist: Wenn wir an Gott verknüpft/

Und mit der Welt in Gott zugleich verbunden werden/

Denn ist die Freude rein/ die in dem Hertzen hüpft.

Wenn aber uns die Welt zu ihren Gütern reißet/

Zur Schönheit die vergeht/ zu eitler Ehr und Lust/

Und uns mit Leib und Seel darein verlieben heißet:

So brennt verbotne Gluht in der verkehrten Brust.

Mit dieser Liebe hat ein Irdischer zustreiten.

Löscht er ihr Feuer aus und zündet neues an/

Das Oehl vom Himmel hat/ so schmeckt er Süßigkeiten/

Und fühlt was oben her ein Freuden-Feuer kan.


Das Gedicht "Der Streit der Liebe" stammt von   (1680 - 1721).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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